Es war wie erwartet, ich hörte sie draußen in der Küche laut schreien. Beide. Es ging wie immer um das Eine, das ich nicht so wirklich verstand. Wusste nur, dass es etwas Schlechtes sein musste, weil es immer Ärger darum gab, aber gleichzeitig so hochinteressant, dass es immer Thema war. Immer, wenn er besoffen von der Arbeit kam.
Ich würde es vermutlich nie machen, denn eigentlich bin ich um die Zeit, in der man sich darum streitet, sehr müde und möchte schlafen, so wie jetzt. Aber ich wollte mal abwarten, ich würde bald eingeschult, da sollte man ja alles lernen. Ich hoffte, auch darüber.
Die Anderen schliefen schon oder taten zumindest so.
Draußen schrieen und fluchten sie weiter.
Plötzlich stand die Traumfee neben mir.
„Nervt dich das nicht elend?“
„Klar, aber was soll ich machen?“
„Sag’ ihnen, dass du müde bist und sie aufhören sollen!“
„Nee, dann setzt sie mich wieder neben sich, damit er sie in Ruhe lässt. Dazu hab’ ich heut’ nun überhaupt keinen Nerv…Außerdem säuft sie in letzter Zeit immer mit. Ich bleib schön hier in meinem Bett!“
Sie dachte einen Moment nach, lächelte dann kaum merklich, griff in ihren Rucksack und holte etwas heraus.
„Ich muss weiter, aber du kannst hiermit für den Rest der Nacht schlafen…“ sagte sie und legte mir einen kleinen Bogen mit zwei noch kleineren Pfeilen auf die Decke. Und schon war sie weg.
Ich nahm den Bogen, spannte einen der Pfeile ein, schoss ihn in Richtung Küche ab. Er sauste los, durchs Schlüsselloch, den Flur, das Schlüsselloch der Küchentür und traf ihn im Auge. Stolz auf meinen Erfolg schickte ich den Zweiten gleich hinterher. Er nahm den gleichen Weg, surrte dabei ein bisschen und drang tief in ihren Nacken ein.
Ruhe.
In einer anderen Ecke des Zimmers nuckelte schmatzend eine meiner Schwestern an ihrem Daumen.
Ich schob den Bogen unter mein Kissen und schlief ein.