Wollhandkrabbe
Da sitzt sie, unten am Fußende meines Bettes und glotzt mich boshaft grinsend an. Abend für Abend, nachts, wenn ich aufwache, wann immer es dunkel und kalt ist und ich alleine bin. Tagsüber lässt sie sich nie blicken, da schafft sie es nicht bis zu mir. Das scheiß-feige Miststück. Aber es kann ja nicht immer jemand bei mir sein.
„Was willst du hässliches Viech schon wieder hier?“
Sie glotzt mich einfach nur weiter an.
„Na los, komm! Sag’s doch!“
Ihre Sägezähne fangen leise an zu knirschen, ich bekomme Hühnerpelle.
„Du bist dir noch gar nicht sicher, stimmt’s?“
Ihr linkes Stielauge zuckt leicht, ihr entsetzliches Maul öffnet sich langsam.
„Nein, bin ich nicht.“ antwortet sie schnippisch.“ Na und? Ich bin hier!“
„Uns was zur Hölle willst du noch??? Hast du noch nicht genug?“
„Du siehst das falsch. Es geht mir nicht um genug, zu viel oder zu wenig.“
„Um was geht es dir denn dann? Bin ich dir zu laut? Lache ich zuviel? Sage ich Sachen, die du nicht hören willst?“
„Ach weißt du…“ (stinken alle Wollhandkrabben so entsetzlich aus dem Maul?) „…ich bin einfach nur gerne hier. Nur präsent. Und schau dich an…“
Sie lacht meckernd, ich werfe ein Kissen nach ihr und schleudere sie vom Bett. Ich gehe ins Bad, wasche mir das Gesicht kalt ab und die Hände.
Jetzt ist sie weg. Ich leg mich ins Bett. Nur noch ein paar Wochen.